Nachschau - Sonntag, 8. Oktober 2017

Diamanten funkelt auch in Hamburg

Diamanten gewinnt den Großen Preis von Deutschland - Urbanio im Deutschland-Cup - Broadwell wie vom anderen Stern – Uzo Josselyn über den kurzen Weg – Skyfall im Kurt Hörmann-Memorial - Northern Charm und Ivanhoe Charisma vor großer Zukunft

Wer für das Wetter verantwortlich war, ob nun Petrus oder wer auch immer, er muss Fan des Trabrennsports sein. Nach den Stürmen und Regengüssen der vergangenen Tage war das Wetter auf den Punkt genau wie ausgewechselt zum Toprenntag des Jahres in Hamburg. Die Sonne strahlte vom Himmel – beste äußere Bedingungen für einen Renntag der Superlative. Der dann auch stattfand, denn nichts musste von den im Vorwege hohen Erwartungen abgestrichen werden. Trabrennsport der Extraklasse am laufenden Band.

Diamanten (Kim Eriksson)

Diamanten funkelt den ganzen Weg

Robert Bergh hatte sich abmelden müssen, da dem Vernehmen nach sein Flug gecancelt wurde. So übertrug er seine beiden Fahrten an diesem Grand Prix-Tag „Ersatzleuten“, die es besser nicht hätten machen können. Björn Goop und Kim Eriksson vollstreckten jeweils.

Der Große Preis von Deutschland hatte trotz schärfster Konkurrenz mit Diamanten einen großen Favoriten. So nahm der eingesprungene Kim Eriksson die Sache denn auch an und führte den 21:10-Favoriten umgehend an die Tete. Dahinter wurde einiges an Positionswechseln vorgenommen, da nicht alle den Platz im Zwölferfeld gefunden hatten, der ihnen zusagte. Deutschlands Hoffnung Orlando Jet fand sich im hinteren Mittelfeld wieder und musste auf der letzten Überseite sein Heil in einer Attacke in dritter Spur suchen, kam dabei gut voran, aber ließ dabei Kräfte und musste schon im Schlussbogen etwas kürzer treten. Hier hatte Diamanten immer noch unangefasst das Kommando, während Django Riff noch einmal hinter ihm verschnaufen konnte, was Stallgefährtin Dawana gestattet hatte. Das verlängerte Generaal Bianco möglicherweise beim Angriff dann entscheidend den Weg, so dass Diamanten in 1:12,0 längst in Sicherheit war, als der Generaal zum Sturmangriff geblasen hatte. Django Riff eroberte das dritte Geld vor Dawana mit Deutschlands Champion Michael Nimczyk, während Orlando Jet mit Rang fünf zufrieden sein musste.

Der überglückliche Eriksson sprach vom zweifellos größten Erfolg seiner Laufbahn und konnte das Gefühl nur als „surreal“ benennen. Solche Pferde zu fahren, sei ein Traum: „Sit back and enjoy!“

Diamanten und Kim Eriksson bei der Siegerehrung

Urbanio Start-Ziel

Den Deutschland-Cup, den „kleinen Grand Prix“ gewann Rick Ebbinge mit Urbanio Start-Ziel. Der nur sporadisch eingesetzte Vierjährige war auf den Punkt fit und siegte in 1:13,4 und holte 25.000 EUR Siegprämie. Die innen hinter ihm postierten Uniko Power und Guillaume Boko schnappten sich die lukrativsten Platzgelder. Favorit Dice Man war vom Start gesprungen.

Der Sieger 2018?

Als Naturgewalt präsentierte sich Broadwell und eroberte den Jahrgangsthron zurück. Schon nach einer Runde hatte Robin Bakker mit ihm die Deckung verlassen müssen, zog dann beim Piloten auf und ging in den letzten Bogen hinein grußlos an Flying Fortuna vorbei. Dann verabschiedete sich der Hengst und ließ die gewiss nicht schlechten Gegner wie Mac Smily und Mc Arthur wie Statisten aussehen. In 1.12,9 gewann Broadwell überlegen, ohne an seine Grenzen gehen zu müssen. Auf ihm könnten die Hoffnungen auf einen deutschen Sieg 2018 ruhen.

Lukrative V64-Wette

In der V64-Wette gab es für den Grundeinsatz im 1. Rang 3.747,72 EUR zurück – schönes Geld, erst recht im Nachhinein, denn kein Sieger war unmöglich, und die eine oder andere denkbare Bank war auch dabei.

Cees Kamminga eröffnet die V64-Wette erfolgreich und trotzte der Außenspur erfolgreich mit Noble Dolly. Die Stute hatte in Vincennes Pech gehabt im U.E.T.-Vorlauf, als sie den dritten Rang am grünen Tisch verloren hatte, doch diesmal konnte sie sich schadlos halten im Preis der ATG und gewann gegen einen zu spät freikommenden Prince of Persia und den lange führenden Soccer.

Nach dem 125:10-Treffer ging das zweite V64-Rennen an ein stark gewettetes Pferd. Christoffer Eriksson steuerte Crown Wood voller Zuversicht nach einer Runde an die Seite des führenden Pompano Julian und erdrückte den Piloten erfolgreich, um als 28:10- Chance zu triumphieren. Urbanio, Broadwell und Diamanten waren die übrigen Sieger. Der einzige, der nicht ganz leicht auf den Schein zu bekommen war, hieß im Hamburg-Cup Uzo Josselyn zur Quote von 65:10.

Björn Goop gewann seine „Kistenfahrt“ mit ihm. Wie erwartet führte Star Advisor Joli lange die Partie an, doch dann kam in der Distanz mit riesigen Schritten Uzo Josselyn heran und nagelte den Piloten auf der Linie fest. Dritter wurde O‘Grady, während das Mommert-Doppel Cash Hanover und Montecore Mo am Verlauf scheiterte.

Der hochkarätige Rahmen

Das Ada-Rennen, 4-jährigen Stuten vorbehalten, holte sich Hugo Langeweg jr. mit Ula Mil. Allerdings musste die Stute alles geben, denn Robin Bakker war mit Galante Olandese herangerauscht und schien fürs Auge sogar vorbei gewesen zu sein, doch das Zielfoto sah einen minimalen Vorteil für die Langeweg-Stute. Good Girl As hielt sich als Dritte außen herum prima.

Rick Ebbinge drehte mit Urmia  den Spieß gegen Litana um, die im Johannes Frömming-Memorial den Kampf ums Kommando und damit das Rennen gewonnen hatte. Diesmal gewann Urmia vom besseren Startplatz den Kampf um die Führung und damit ihrerseits das Rennen. Für Ebbinge der zweite Tagestreffer.

Den Marathon sicherte sich Michael Nimczyk mit Out of the Slums. Der allein aus dem ersten Band abgehende  Hengst bekam natürlich das Kommando, ließ es sich dann von O‘Sunday kampflos nach einer Runde abnehmen, der seinerseits Dreambreaker gewähren ließ. Doch am Ende sammelte Out of the Slums alle wieder ein und gewann in 1:16,5 über 3240 Meter.

Seinen zweiten Treffer an diesem Tag markierte Deutschlands Champion dann mit Skyfall. Das Kurt Hörmann-Memorial hielt er trotz einer Reise durch die Außenspur fest und wehrte den attackierenden Kees Bokma ab. „Er hat gekämpft wie ein Löwe“, konstatierte der Goldhelm, der anschließend nicht als Einziger würdige Worte der Erinnerung an Kurt Hörmann fand. 

Das schnellste Hamburger Trabreiten fand ebenfalls an diesem sonnigen Nachmittag statt. Christina Lindhardt entfachte mit Outsider einen Tempowirbel, wovon vor allem Edo Venus profitierte. Der Österreicher hatte schon in Dinslaken die Konkurrenz abgeledert und war auch in Hamburg nicht aufzuhalten. Er gewann unter der 31-jährigen Dänin Louise Lundgaard in sensationellen 1:12,9 gegen einen immer wieder anziehenden Helios und Napa Valley

Die „Kandidaten“ 2019

In der Auftaktprüfung stellte der 24-jährige Nachwuchsmann Jeroen Offeringa einen bildschönen Fuchs siegreich vor. Ständig mit der Nase im Wind ging Ivanhoe Charisma am stärksten und gewann in 1:14,7 einen Vorlauf zum Breeders Course.

Das Orakel der Zweijährigen gewann Christian Lindhardt mit Northern Charm nach einem sagenhaften Schlussspurt. Mister F Daag schien schon enteilt, doch selbst auf der kurzen Hamburger Zielgeraden entfachte der Lasbeker einen Speedwirbel, der sich gewaschen hatte. Nach dem Erfolg in excellenten 1:14,9  ließ sich der nicht eben als Lautsprecher bekannte Lindhardt im Winner-Circle zu folgender Aussage hinreißen: „Dann gewinnen wir das Derby 2018.“

Urbanio (Rick Ebbinge)

Siegerehrung für Broadwell

Ivanhoe Charisma (Jeroen Offeringa)

Uzo Josselyn (Björn Goop)

Ula Mil (Hugo Langeweg - innen)

Noble Dolly (Cees Kamminga)

Northern Charm (Christian Lindhardt)

Edo Venus (Louise Lundgaard)

Fotos: © by Uwe Stelling (www.foto-stelling.de)

Vielen Dank an unseren Pflanzenpartner und Sponsor www.pflanzmich.de für die tollen Siegerehrungssträuße.