Vorschau - Sonntag, 8. Oktober 2017

Weltklasse in Bahrenfeld

Großer Preis von Deutschland um 150.000 Euro mit 14 Kandidaten aus sechs Ländern – Deutschlands Hoffnung Orlando Jet (Rudi Haller) von Startplatz 11 gegen die Elite aus Frankreich, Schweden, den Niederlanden und Italien – Goldy Stardust (Michael Nimczyk) Favoritin im Deutschland-Cup (50.000 Euro) – Fünf weitere Rennen mit 20.000 bis 30.000 Euro dotiert ? Bei den Dreijährigen Broadwell gegen Flying Fortuna, bei den Älteren Cash Hanover, Montecore Mo und Diamond auf der Sprintstrecke – Zweijährige, Marathon, Trabreiten und alle weiteren Prüfungen mit exzellenter Besetzung

Weltklasse in Bahrenfeld – so und nicht anders lässt sich der Renntag am kommenden Sonntag in drei Worten vorab zusammenfassen. Höhepunkt des 14 Rennen umfassenden und deshalb bereits um 13.30 Uhr beginnenden Programms ist natürlich der mit 150.000 Euro dotierte Große Preis von Deutschland mit 14 europäischen Vierjährigen-Cracks, doch mit Deutschland-Cup (50.000 Euro), Hamburg-Cup (30.000 Euro), Orakel der Zweijährigen (25.000 Euro), Lord Pit-Rennen (25.000 Euro), ATG-Rennen (22.000 Euro) und Kurt Hörmann-Memorial (20.000 Euro) sind nicht weniger als sechs weitere Prüfungen mit 20.000 Euro oder mehr dotiert und überragend besetzt.

Internationaler geht es nicht

Jos Verbeeck konnte sich bereits zweimal (1996 + 2012) in die Siegerliste des Großen Preises von Deutschland eintragenDer Große Preis von Deutschland ist immer schon ein Rennen gewesen, das internationale Beachtung fand. Seit der Neuauflage 2009 gab es je einen deutsch, niederländisch und italienisch und ansonsten schwedisch gezogene Sieger. Die Franzosen nahmen das Rennen trotz seiner Einstufung als Europa-Gruppe I-Prüfung eher nicht wahr, weil selbst sechsstellige Dotierungen für sie nichts Besonderes bedeuten. Das ist 2017 anders, mit zwei Topstars aus dem Quartier von Trainer Philippe Allaire reist absolute Qualität an die Alster. Für Django Riff, im zarten Alter von vier Jahren bereits Gewinnsummen-Millionär, wurde kein Geringerer als Weltstar Joseph „Jos“ Verbeeck verpflichtet, der auch im „Großen Preis“ schon erfolgreich war. Trainingsgefährtin Dawana, mit rund 650.000 Euro das zweitgewinnreichste Pferd im 14er-Feld, steht dem Primus kaum nach und hat ihm in Puncto Zuverlässigkeit sogar einiges voraus: Während „Django“ gelegentlichen Galoppaden nicht abgeneigt ist und im Karriereverlauf auch schon fünf „rote Karten“ sah, kam die Deutschlands Goldhelm Michael Nimczyk anvertraute Stute noch nie ohne Geldpreis zurück in den Stall und landete bei 25 Lebensstarts, fast immer auf höchster Ebene, nur fünf Mal nicht auf den Plätzen eins bis drei. Dass für diese beiden Ausnahmepferde die Ränge eins und zwei nicht automatisch vergeben sind, sondern es ohne Übertreibung rund ein halbes Dutzend weiterer reeller Sieg-Kandidaten gibt, sagt alles über die außergewöhnliche Qualität des Großen Preises von Deutschland 2017 aus. Die Fans vor Ort und an den Bildschirmen drücken natürlich Deutschlands Aushängeschild Orlando Jet (Rudi Haller) die Daumen, der es bei der Auslosung mit Startplatz 11 aber ebenso wie der Spitzen-Italiener Unicorno S.L.M (Wim Paal) mit der „13“ wenig vorteilhaft getroffen hat. Das Feld ist groß und die Zielgerade in Hamburg kurz. Bessere Ausgangspositionen haben der mutmaßlich beste schwedische Vierjährige Diamanten (Robert Bergh), der niederländische Superstar Goofy Greenwood (Hugo Langeweg) und sein nach dem Wechsel ins schwedische Quartier von Peter Untersteiner eine Siegesserie abliefernde Landsmann Generaal Bianco. In letzter Zeit nicht siegreich, aber mit einer sechsstelligen Gewinnsumme und einem Rekord im 1.10-Bereich hinreichend empfohlen, sind zudem Pferde wie Grant Boko (Christoffer Eriksson), Dominion Beach (Björn Goop), Unique Juni (Johnny Takter), Racing Mange (Joakim Lövgren) oder Dupree (Per Linderoth). Dass der im vergangenen Jahr von Cruzado dela Noche aufgestellte Rennrekord von 1.11,5 selbst auf der um gut 500 Meter verlängerten und jetzt 2.200 Meter betragenden Renndistanz ins Wanken gerät, darf bei guten Witterungsbedingungen als wahrscheinlich angenommen werden.

Die deutschen Hoffnungen im GPvD ruhen auf Orlando Jet und Rudi Haller

„Goldy“ und ein exquisiter Rahmen

Als „kleiner Bruder“ des Grand Prix wurde der Deutschland-Cup für Vierjährige mit maximal 50.000 Euro Gewinnsumme ins Programm genommen. Ganz Deutschland hofft auf einen Heimsieg durch die eine sensationelle Entwicklung nehmende Goldy Stardust (Michael Nimczyk), doch hat es Fortuna bei der Auslosung mit ihr genauso wenig gut gemeint wie mit Orlando Jet im Hauptrennen: Startplatz 12 war das Ergebnis, das jedoch kein Stolperstein sein muss, denn die rasanteste Starterin war „Goldy“ bislang ohnehin nicht. In den weiteren Rennen jagt ein Highlight das andere: Im Lord Pit-Rennen für die Dreijährigen duellieren sich zwei Derby-Pechvögel. Flying Fortuna (Christoffer Eriksson) verlor den Sieg erst auf der Ziellinie, und der vorjährige Crack Broadwell (Robin Bakker) musste das „Rennen der Rennen“ sogar auslassen und konnte sich nach längerer Verletzungspause erst kürzlich zurückmelden. Noch am Anfang ihrer Laufbahn stehen die Zweijährigen, die im „Orakel“ ihren vorläufigen Primus suchen. Mister F Daag (Robin Bakker) debütierte in der Breeders Crown gleich siegreich, als Hauptgegnerin bietet sich die nach sehr guten Platzierungen derzeit sogar noch gewinnreichere Lasbekerin Nonas Kiss (Heinz Wewering) an. Die hochklassigen älteren Pferde finden sowohl im Hamburg-Cup auf der verlängerten Meile wie im Hamburg-Marathon über weite 3.240 Meter ein Betätigungsfeld. Auf der Sprintstrecke kommt es zum schon im Vorfeld faszinierenden Dreikampf zwischen den beiden Mommert-Cracks Cash Hanover (Michael Nimczyk) und Montecore Mo (Michael Larsen) mit dem niederländischen Globetrotter Diamond (Robin Bakker). Werden die Sprinter vom Auto auf die Reise geschickt, müssen die Steher den Bänderstart meistern. Dabei lautet die Frage: Kann Regio (Robin Bakker) 40 Meter gegenüber Echo Oldeson (Rob de Vlieger) und Out of the Slums (Michael Nimczyk) aufholen, oder sorgen sogar die im mittleren Band postierten Dreambreaker (Thorsten Tietz) oder O’Sunday (Maik Esper) für einen norddeutschen Besitzererfolg? Das Kurt Hörmann-Memorial hat nach sieben Siegen bei acht Starts seinen Favoriten im Niederländer Kees Bokma (Rick Ebbinge), während das wie alle übrigen Prüfungen auch großartig besetzte Trabreiten durch Edo Venus (Louise Lundgaard) ebenfalls dorthin, aber durch Outsider (Christina Lindhardt) auch nach Dänemark gehen könnte.

Goldy Stardust (Michael Nimczyk) ist nach dem überlegenden Sieg in der Breeders Crown im Deutschland-Cup das zu schlagende Pferd

Umdenken beim Wetten

Am Grand Prix-Tag ist alles groß – nicht nur der Sport, auch der Wettumsatz. Damit er das nicht nur für Hamburger oder deutsche Verhältnisse, sondern auch nach internationalen Maßstäben werden kann, wird das gesamte Wettgeschäft wieder über den Totalisator der schwedischen ATG abgewickelt, an den weitere Länder angeschlossen sind. Das heißt nicht nur, dass die überaus attraktive V64-Wette mit den Hamburger Rennen bestückt wird und Einzelgewinne im Bereich mehrerer hunderttausend Euro möglich machen kann, sondern auch, dass sich die deutschen Wetter ausnahmsweise den schwedischen Gepflogenheiten anpassen müssen. Aus der hierzulande gewohnten Zweierwette wird deshalb der „Zwilling“ (die ersten beiden ohne Rücksicht auf die Reihenfolge), eine Viererwette wird nicht angeboten, weil man so etwas in Schweden nicht kennt. Dafür gibt es die dort enorm erfolgreiche Daily Double-Wette. Insgesamt umfasst das Wettangebot am Sonntag Sieg, Platz, Zwilling, Dreierwette, Daily Double, V5 und V64 und es gilt wie beim Sport: mehr geht nicht.